SEO Analyse eines Verlierers des Penguin Update 2.0

, zuletzt aktualisiert: 13. August 2014

Seit dem 23.05.13 ist das Penguin 2.0 Update ausgerollt und wie in dem damaligen Blogbeitrag schon beschrieben, hat Sistrix seinen Sichtbarkeitsindex nach den größten Sichtbarkeitseinbußen durchforstet.

Interessant für mich als SEO ist nun natürlich die Frage, ob es bei den betroffenen Domains ganz offensichtliche Gründe für die Abstrafung gibt. Da das Penguin Update vor allem Auffälligkeiten im Backlinkprofil („link schemes“) im Visier hat, werde ich diese im Folgenden kurz untersuchen.

Ich beschränke mich dabei auf eine Domain aus den Top3 der Verlierer (Ich übernehme hier die Wortwahl „Verlierer“ aus dem Sistrix Post, die sich ja auf den Verlust von Sichtbarkeitsindex bezieht), nämlich fewo-von-privat.de.

Anzahl der Backlinks von fewo-von-privat.de

Schauen wir uns als erstes die Anzahl der gesamten Backlinks an. Relativ eindeutig ist der Zuwachs auf 300.000 Backlinks bis Ende Mai. Dies sind grob gesprochen 100.000 Backlinks pro Monat. Leider widersprechen sich Majestics frischer Index (Daten der letzten 90 Tage, entspricht dem unteren Bild von 300.000 Links) und der historische Index (sollte alle Daten enthalten, zeigt aber nur um die 230.000 Links an [kein Bild vorhanden]).
Anzahl der Backlinks der untersuchten Seite

Dies zeigt schon ein wichtiges Problem der Linkanalyse: Kein Tool wird immer 100% akkurat alle Links anzeigen, dafür ist die Anzahl der vorhandenen Links im Internet zu groß. Es ist also weniger die absolute Anzahl der gefundenen Links interessant als der grobe Trend. Der geht hier in Sieben-Meilen-Stiefeln nach oben.

Solch ein rapider Linkzuwachs in so kurzer Zeit könnte schon allein Grund genug sein, eine Seite abzustrafen. Vergleicht man dann noch den historischen Verlauf der letzten 2 Jahre, so fällt der rapide Anstieg besonders ins Auge – die Seite hat lange nur moderate Linkzuwächse, wohingegen der Zuwachs ab Februar 2013 in die Höhe schnellt:
Historischer Backlink Index der Pinguin betroffenen Seite

Eine so plötzliche Abweichung kann ganz natürlich geschehen (gelungene Linkbaits, eine insgesamt geänderte Content-Marketing Strategie, starke Bewerbung…), aber eben auch durch nicht geduldete Maßnahmen, also Black Hat SEO. Es handelt sich hier also nur um einen ersten Hinweis, vielleicht einmal näher hinzuschauen.

Diese Übersicht sagt selbstverständlich noch nichts über die Qualität der Backlinks noch darüber aus, ob die Backlinks tatsächlich noch vorhanden sind oder nach kurzer Zeit schon wieder gelöscht wurden.

Aufgebaute vs. vorhandene Backlinks

Der Link-Verfall als 2. Auffälligkeit

Kommen wir noch einmal auf den letzten Punkt zurück – nämlich der Frage, ob die oben erwähnten Links überhaupt noch vorhanden sind. Dafür vertraue ich mehr der Toolbox von aHrefs, die meiner Meinung nach die aktuellsten Daten bietet.

Hier kommt fewo-von-privat.de derzeit auf einen Wert von knapp 85.000 Backlinks. Dies ist doch eine recht große Diskrepanz zu den erwähnten 300.000 Backlinks – es scheint, als wären viele der aufgebauten Backlinks schon wieder gelöscht worden. Ein gewisser Verfall von Backlinks ist ganz natürlich, solch eine hohe Löschquote kommt aber wohl eher doch unnatürlich daher.

Eine Möglichkeit wäre, dass die Branche, in der die Webseite tätig ist, sich schnell ändernde Angebote hat. Ein Beispiel wäre ein Online Shop mit ständig wechselnden Angeboten oder aber eine Immobilien-Seite, wo nach erfolgreicher Vermietung die Objekte nicht mehr vorhanden sind und dann verlinkende Webseiten Ihren Link zum Angebot auch löschen.
Eine andere Möglichkeit dafür wäre eine hohe Anzahl von Spamlinks, die nach kurzer Zeit von den Webmastern gefunden und gelöscht werden.

Vorsichtig muss ich natürlich sein, weil ich hier Metriken verschiedener Anbieter vergleiche – leider bietet mir aHrefs derzeit keine Möglichkeit für einen geeigneten historischen Vergleich. Ein Grund für die Suchmaschinen, eine Abstrafung durchzuführen?

Letztlich ist der Link-Verfall also auch nur eine Auffälligkeit, allerdings schon die zweite.

Anzahl der verlinkenden Domains

Nicht uninteressant ist auch die Betrachtung, von wie vielen verschiedenen Domains die Backlinks stammen. Meine Meinung dazu ist, dass die Domain-Anzahl unbedingt mit der Gesamt-Backlink Anzahl ansteigen sollte. Stammen viele hunderte oder tausende Backlinks immer von der gleichen Domain, könnte dies auf Spam hindeuten. Denn es gibt immer wieder Domains, wo eine automatische Freischaltung z.B. von Kommentaren für Spammer Tür und Tor öffnen. Oder Domains, wo Sicherheitslücken eines nicht upgedateten Content-Management-Systems das Einfügen von Links über Code-Manipulationen zulässt. Dort können dann schnell viele eigene Links in die verschiedenen Unterseiten eingefügt werden.

Sicher kann man es auch Qualitätsmerkmal sehen, wenn eine andere Webseite A häufiger eine Seite B verlinkt, denn das passiert ja natürlicherweiswe nur, wenn Webseite B tatsächlich gute Inhalte liefert. Wie überall im Bereich SEO und wie im echten Leben ist eine gewisse Abwechselung vermutlich auch hier der Trumpf.

Die Anzahl der verlinkenden Domains von Fewo-von-privat.de beträgt laut MajesticSEO knapp 4000.

Anzahl der verlinkenden Domains der betrachteten Webseite

Egal ob ich nun die 300.000 (MajesticSEO) oder 85.000 (aHrefs) Gesamt-Links dagegenhalte, sind 4000 Domains erstmal doch recht wenig. Natürlich kann man argumentieren, dass ein Portal für Ferienwohnungen auch von anderen Portalen verlinkt wird, in denen die verschiedenen Ferienwohnungen präsentiert werden – so können schnell auf natürlichem Weg viele Links von einer Domain zusammenkommen.

Trotzdem, dies ist schon die 3. Auffälligkeit – die Frage ist ja nun, wo liegt die Schwelle, ab der der neue Penguin-Algorithmus Signale als Spam-Signale wertet?

Oberflächliche Qualitätsbetrachtung der Backlinks

Verhältnisse nofollow / dofollow und Ort der Backlinks

Die Zeit für diesen Blog-Post reicht nicht, um eine tiefgründige Qualitätsanalyse der Links anzufertigen. Ich werde daher nur kurz auf 2 Standart-Werte eingehen, nämlich das Verhältnis von dofollow Links zu nofollow Links und die Platzierung der Links auf den Seiten (Ist ein Link Seitenweit – z.B. im Footer – gesetzt oder nur auf einer Unterseite vorhanden?).

Gängige Meinung ist, dass ein Linkmix von do/nofollow Links vorhanden sein sollte und seitenweite Links eher abgestraft werden.
Verteilung von dofollow und nofollow Links

Die Grafik zeigt eindeutig, dass die große Masse an Backlinks ausschließlich Links ohne das nofollow Attribut sind. Auch sind scheinbar über 50% der Links seiten-weit gesetzt – sollte das stimmen (ich habe es nicht manuell nachgeprüft, aber es kommt mir schon fast zu hoch vor, um wirklich wahr zu sein), ist es ein starkes Spam-Signal.

Ankertexte der Backlinks

Die häufigsten Ankertexte der betroffenen Domain im Überblick

Eine gute Diversität von Ankertexten sollte für jede Webseite selbstverständlich sein.
Der am meisten eingesetzte Ankertext ist fewo-von-privat.de und somit ein Marken (Brand) Ankertext. Das ist soweit eigentlich gut, wobei der Wert von 48% meiner Meinung nach schon hart an der Grenze ist.

Was dann allerdings auch noch auffällt, ist die starke Häufung der Money-Keywords Ferienwohnung / Ferienhaus bei der übrigen Verteilung. Hier könnte man im weiteren Linkbuilding noch etwas mehr Vielfalt in die Haupt-Ankertexte bringen.

Wer die Prozentwerte addiert, merkt schon, dass noch weit mehr Ankertexte vorhanden sind. Das ist zwar gut, kann aber meiner Meinung nach das Bild nicht mehr hin zu einer natürlich wirkenden Verteilung rücken.

Abstrafung durch das Penguin Update?

Obwohl Sistrix einen starken Abfall beim Sichtbarkeitsindex zeitgleich zum Penguin Update 2.0 für die Seite fewo-von-privat.de vermeldet, muss es nicht unbedingt einen Zusammenhang geben. Der Titel meines Posts und die vorliegende Analyse legen es zwar nahe, aber einen echten Beweis dafür gibt es erst einmal nicht.

Empfehlungen für eine Erhohlung vom Penguin Update

Welche Schritte sollten jetzt unternommen werden, um die Seite wieder in den Rankings steigen zu lassen?

Erst einmal würde ich abwarten, ob nach einigen Wochen von allein eine Erhohlung eintritt. Egal ob nun eine Abstrafung vorliegt oder die Algorithmusänderung nur temporär Unordnung in die Rankings gebracht hat – harte Änderungen am SEO innerhalb kurzer Zeit sind auffällig und können aus Sicht von Google schnell als Eingeständnis für unsaubere Arbeitsweise gesehen werden. Dafür hat Google immerhin ein eigenes Patent angemeldet.

Also heisst es meiner Meinung nach erst einmal, Ruhe zu bewahren. Dann kann man eine noch eingehendere Analyse anfertigen und Schritt für Schritt – langsam – die möglichen Schwachstellen anpassen. Dazu würde z.B. gehören, Schrittweise mehr nofollow-Links aufzubauen und seitenweite Links abzubauen.

Völlige Erhohlung ungewiss…

Ob sich eine durch das Penguin Update betroffene Seite völlig erhohlt, steht allerdings in den Sternen. Laut einer recht aktuellen Umfrage von seroundtable.com hatten sich 1 Jahr nach dem ersten Penguin 94% der betroffenen Seiten noch immer nicht vollständig erhohlt – sprich ihre alten Platzierungen wieder erreicht. Ich habe die Umfrage-Methode nicht überprüft, aber schon an anderer Stelle gehört, dass sich viele Seiten nicht so gut erhohlt haben.

Eine weitere Analyse von Verlierern des Pinguins gibt es bei linkbutler, dort werden vor allem die Ankertexte untersucht.

Eine interessante Zusammenstellung von Expertenmeinungen zu der Frage, was man bei Rankingverlusten tun kann, finden sich bei seo-united.de. Wie schon von mir empfohlen herrscht auch dort die Meinung vor, nicht in Aktionismus und Panik zu verfallen, sondern besonnen zu handeln.

Zum Schluss möchte ich noch einmal betonen, dass dieser Post nur Hinweise auf Spam-Signale liefert. Ich unterstelle der hier untersuchten Seite nicht, tatsächlich gegen die Webmaster Richtlinien verstoßen zu haben, denn alle als Spam wertbaren Signale können natürlicherweise entstanden sein.

Ein Kommentar

  • Christopher sagt:

    Das dofollow/nofollow-Verhältnis sieht sehr unnatürlich aus. Zusammen mit der eventuell stimmenden seitenweise Verlinkung, würde ich sagen, dass Google deswegen unter anderem fewo-von-privat.de abgestraft hat. Bei solchen Projekten werden aber auch nicht selten Links gekauft oder gemietet. Hier würde ich auch vermuten, dass Linkkäufe aufgeflogen sind wahrscheinlich auch wegen dem schlechten Dofollow-/Nofollow-Verhältnis.

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