Mobile Webseite („WebApp“) oder native App?

, zuletzt aktualisiert: 18. Januar 2014

Immer mehr Unternehmen erkennen die Notwendigkeit, ihren Kunden eine mobile Webseite – gegebenenfalls eine WebApp – oder aber eine native App zur Verfügung zu stellen. Was genau ist denn das – eine mobile Webseite? Wo liegt der Unterschied zu einer App? Und warum lohnt es sich überhaupt, diese neue Möglichkeit als Erweiterung der Firmenwebseite zu nutzen?

Infografik - App und mobile Webseite (WebApp) im Vergleich
Infografik: Vergleich der wichtigsten Unterschiede zwischen einer mobilen Webseite und einer nativen App. Die Grafik ist lizensiert unter Creative Commons und darf weiterverwendet werden, solange ein Verweis auf diesen Blogpost vorgenommen wird.

Was nutzt eine mobile Webseite oder eine App

Hintergrund für die Notwendigkeit eines Mobilgerät-optimierten Internetauftritts ist die Tatsache, dass es immer mehr Nutzer von mobilen Geräten – vor allem Smartphones – gibt. Im deutschen Raum besitzen laut einer repräsentativen Umfrage des Branchenverbandes Bitkom schon über 33% der Bevölkerung solch ein Gerät – Tendenz steigend. Smartphones haben nur ein kleines Display, was die richtige Darstellung von konventionellen Webseiten und Navigation darauf erheblich erschwert.

Kurzübersicht

Mobile Webseite: Eine mobile Webseite ist eine speziell designte Webseite, die genau die Größe der herkömmlichen Smartphone Bildschirme abdeckt. Sie besitzt im Normalfall große Bedienfelder, sodass bequem auf dem Touchscreen des Smartphones mit den Fingern navigiert werden kann. Auch Bildelemente sind von der Größe her angepasst – so werden sie gut auf dem kleinen Display angezeigt werden.

Ein weiterer Grund für kleine, angepasste Elemente ist die Ladezeit. Handys emfangen Daten nicht mit der Geschwindigkeit eines DSL-Anschlusses, der heute für viele Privathaushalte Standard ist. Eine große Datenmenge führt also bei der Nutzung eines Smartphones zu langen Ladezeiten. Je nach Datentarif verursacht das Laden einer Seite auch noch hohe Kosten oder zehrt eine große Menge des vorgegebenen Datenvolumens auf. Bei dem Nutzer führt dies gegebenenfalls zu einem vorzeitigen Schließen der Seite, was gerade bei Betrieb eines Online Business nicht gewünscht sein kann. Dies wird durch schlanke, mobile Webseiten verhindert.

Native App: Eine App ist ein Programm, welches auf dem Smartphone installiert wird. Es ist dann stets verfügbar, unabhängig von der Internetverbindung. Nativ bezeichnet die Tatsache, dass die App ohne Zusatzprogramme läuft (Im Gegensatz zu der Webseite, die ohne Browser nicht aufgerufen werden kann). Allerdings muss die App für ein bestimmtes Betriebssystem programmiert werden und läuft dann nur dort (iOS auf dem Iphone, Android oder Windows). Das Nachladen von aktuellen Informationen benötigt natürlich auch bei der App einen Internetanschluss.

Die Infografik näher erläutert

In diesem Absatz möchte ich die einzelnen Punkte der oben stehenden Infografik näher erläutern. Ich werde zu jedem Punkt auch kurz erwähnen, was ich für vorteilhaft halte.

1. Zugriff auf Funktionen des Smartphones

Im Augenblick haben ganz klar die Apps die Nase vorn, wenn es um die Nutzung von Handy-Hardware geht. Zugriff auf die Kamera zum Scannen von Barcodes oder QR-Codes, Zugriff auf das Telefonbuch (z.B. genutzt von dem beliebten Programm „Whatsapp“), sogar Zugriff auf die Daten des internen Gyroskops sind möglich. Ob alle diese Funktionen für Apps von Unternehmen wichtig sind, sei dahingestellt. Das Gyroskop mag für Spieleentwickler eine tolle Möglichkeit für ein realistischeres Spielgefühl bieten, ansonsten fällt mir keine sinnvolle Nutzung ein (ich kenne eine Bier-App, mit der das Handy ein Bierglas simulieren kann. Ob diese App von der Bierindustrie gesponsert wurde und ob die Nutzung den Bierkonsum fördert, ist mir nicht bekannt).

Die mobile Webseite hatte in diesem Bereich lange Zeit Nachholbedarf. Inzwischen holt sie durch neue Funktionen von HTML5 auf und kann auf immer mehr Möglichkeiten zurückgreifen. So ist ein Zugriff auf die Kamera nun ebenso realisierbar wie die Lokalisierung über Geodaten. Gewisse Funktionen sind noch immer nicht verfügbar, aber das wird sich vermutlich noch ändern.

2. Verkauf der Anwendung

Apps können traditionell im Internet über App-Stores verkauft werden. Ob in Apples iTunes im App-Store, im Amazon App-Shop, im Google Play Store oder im Windows Marketplace. Entwickler bzw. Firmen können so ihre App monetarisieren und gleichzeitig einem großen Publikum zugänglich machen.

Eine mobile Webseite selbst lässt sich hingegen nicht verkaufen. Denkbar wäre ein über Accounts beschränkter Zugang, für den extra bezahlt werden muss. Diese Variante dürfte aber nicht sehr weit verbreitet sein – höchstens wenn sowieso ein Abo für eine elektronische Ausgabe besteht. In diesem Fall fehlt noch immer die Verkaufsplattform, auf der die Seite gewinnbringend vermarktet werden kann (vielleicht eine zukunftsträchtige Businessidee?).

3. Branding durch ein eigenes Icon

Apps bringen ein eigenes Icon mit, welches im Menü angezeigt wird. Ein klarer Vorteil, wenn man auf Branding aus ist.

Für Webseiten kann auf der Startseite ein Bookmark angelegt werden. Dies muss der Nutzer allerdings selbst durchführen. Im iPhone und auf Android Handys wird in diesem Fall wie bei einer App ein eigenes Icon angezeigt, wenn dies im HTML-Code festgelegt wurde. Leider hinkt das Windows-Phone noch hinterher, es zeigt als Icon nur einen kleinen Screenshot der Webseite, es ist kein eigenes Logo möglich (für neuere Telefone mit Windows 8 ist mir dazu noch nichts bekannt).

4. Notwendigkeit der Internetanbindung

Dieser Punkt verwischt immer mehr. Eine App benötigt zuerst einmal nur während der Installation eine Internetanbindung. Dies bringt dem Nutzer Geschwindigkeitsvorteile und mehr Kompfort, wenn das Internet zur Schonung des Akkus zwischenzeitlich deaktiviert wird. Sollen aber aktuelle Informationen (z.B. Preise oder ein Fahrplan) angezeigt werden, muss eventuell aus dem Internet nachgeladen werden.

Eine Webseite, die über den Browser angezeigt wird, muss erst einmal bei jedem Aufruf neu geladen werden. Über das so genannte Caching kann die Webseite auf dem Mobiltelefon zwischengespeichert werden. Wird diese Option genutzt, wird eine Version der Seite auf dem Handy gespeichert und es kann ohne Nachladen aus dem Internet darauf zugegriffen werden.

5. Auffindbarkeit der Inhalte in Suchmaschinen

Ein ganz wichtiger Unterschied besteht in der Sichtbarkeit der Inhalte für Suchmaschinen. Mobile Webseiten sind für die Crawler der Suchmaschinen zugänglich und werden bei entsprechender Relevanz dann auch in den Suchergebnissen aufgelistet. Für eine Verbesserung des Rankings kann Suchmaschinenoptimierung (SEO) durchgeführt werden.

Der Inhalt von Apps ist dagegen unsichtbar im Internet.

6. Notwendigkeit einer Installation

Native Apps müssen installiert werden. Dies kann eine Hürde für die Nutzung darstellen. Gerade wenn die Anwendung Zugriff auf die Identität des Nutzers oder des Handys erfordert, könnten auf Datenschutz achtende Nutzer von der Installation absehen.

Mobile Webseiten dagegen werden nicht installiert, sondern nur mit dem vorhandenen Browser angeschaut. Da die Webseite so weniger Zugriff auf das Handy und gespeicherte Daten hat, liegt die Hürde zur Nutzung niedriger. Dies spielt bei bekannten Firmen keine Rolle, da ihnen genug Vertrauen entgegengebracht wird. Kleine und unbekannte Firmen genießen diesen Vertrauensvorschuss nicht, daher lohnt sich in diesem Fall eher eine Webseite. Der Nutzer kann dann schnell das Angebot durchsehen, ohne zusätzliche Schritte durchführen zu müssen. Eine wichtige Tatsache im Hinblick auf eine Optimierung des Online Marketings.

7. Kompatibilität

Native Apps werden heute noch für ein spezifisches Betriebssystem programmiert und sind dann auf den anderen Betriebssystemen nicht verwendbar. Die am weitesten verbreiteten Betriebsssteme sind iOS, Android und Windows. Auch wenn Windows Smartphones derzeit am wenigsten stark verbreitet sind müssten also 3 Versionen programmiert werden, um alle Nutzer zu berücksichtigen. In der Praxis werden meist zwei Versionen, für iOS und Android, angeboten.
Es gibt wohl Bemühungen, hier einheitliche Entwicklungsplattformen einzuführen, sodass dieser Punkt bald weniger relevant sein könnte.

Eine mobile Webseite wird in allen Browsern dargestellt, ist also für alle Geräte kompatibel. Ein klarer Vorteil.

Fazit

Auch wenn die Unterschiede immer stärker schwinden, kann derzeit noch folgende Empfehlung ausgesprochen werden:

Wer seine Anwendung verkaufen möchte, sollte besser auf eine native App setzen. Diese kann dann in App-Stores (von denen oben die wichtigsten genannt wurden) verkauft werden.Auch das Branding durch ein eigenes Icon und der Zugriff auf alle Funktionen des Smartphones (wenn benötigt) können Grund für die Wahl einer nativen App sein.

Wenn eine möglichst große Schar an potentiellen Kunden angesprochen werden soll (bei gleichzeitig moderaten Entwicklungskosten), dann lohnt sich eine mobile Webseite bzw. WebApp. Diese ist auf allen Smartphones trotz verschiedener Betriebssystemen abrufbar, muss nicht installiert werden und der Inhalt wird zudem noch über Suchmaschinen gefunden.

Übrignes ist es möglich, eine mobile Webseite in einen nativen Container zu verpacken. Dieses Package wird auch hybride App genannt und kann über Stores verkauft werden. Die Frage, ob sich der Aufwand lohnt und ob es nicht sinnvoller ist, in diesem Fall gleich auf eine native App zurückzugreifen, werde ich in einem anderen Artikel behandeln.

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Thomas Merkel unterstützt kleine Unternehmen und Selbstständige im Bereich Online Marketing. Er steht ein für eine ganzheitliche Betrachtung, bei der Design, Psychologie und Analytik eng verzahnt zusammenarbeiten: der clevere Webdesign Prozess.
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