Interessante SEO Experimente 2014

Artikelbild zu den SEO Experimenten 2014Vor knapp einem Monat hat Rand Fishkin eine Präsentation mit interessanten SEO Experimenten veröffentlicht.

Hier fasse ich die für mich interessanten Erkenntnisse auf Deutsch zusammen und stelle einige weitergehende Überlegungen an.

Die Ergebnisse der SEO Experimente

Die Klickrate als Rankingfaktor

Beeinflussen die Klicks auf Suchmaschinen-Ergebnis-Seiten (Englisches Akronym: SERP für Search Engine Result Page) das Ranking? Usersignale als Rankinghilfe zu nutzen, ist eine naheliegende Idee. Ob dies in der Praxis aber auch genutzt wird, ist bisher offen.

Die hier durchgeführten Experimente wurden für wenig kompetitive Suchphrasen mit kleinem Suchvolumen und auf alte Artikel durchgeführt. Die Tests umfassten zwischen 140 und 580 Klicks. Hierbei ergaben sich keine nennenswerten Änderungen der Rankings. Interessant wäre gewesen, das tatsächliche Suchvolumen der Phrasen zu sehen. Diese Information fehlt leider.

Für 2 weitere Test an frisch gerankten Seiten konnten dagegen starke Änderungen der Rankings gesehen werden.

Auch wenn Rand es in den Folien nicht sagt, seine Ergebnisse sehen so aus, als ob kurzfristige CTR Änderungen nur auf neue Seiten einen Einfluss haben. Man könnte zu dem Schluss kommen, dass der lange zeitliche Verlauf von wenigen Klicks auf die alten Seiten einer kurzfristigen Veränderung mit vielen Klicks entgegensteht, sozusagen eine Manipulation verhindert.

Wie die Klickrate das Ranking beeinflusstWer sich für das Thema interessiert, dem empfehle ich einen Blick auf die Ergebnisse von meinem SEO Experiment zur Klickrate. Hier konnte ich in kleinem Rahmen einen Einfluss der CTR auf das Ranking nachweisen, Testobjekt war ein alter Post, der fast 1 Jahr lang stabil ohne SEO Maßnahmen war. Das widerspricht der möglichen Schlussfolgerung aus dem letzten Absatz, nur frische Artikel würden durch CTR Änderungen beeinflusst.

Allerdings muss ich das Experiment noch mehrfach wiederholen. Zusammen mit Rands Experimenten scheint mir aber ein Einfluss der Klickrate recht wahrscheinlich.

Einfluss von internen Backlinks

Bisher wurde der Einfluss von internen Backlinks meines Wissens nach nicht hinterfragt. Früher gab es die Praxis des PageRank Sculpting, bei dem zu wichtigen Seiten besonders viele interne Links gesetzt wurden und die Links zu unwichtigen Seiten mit dem nofollow Attribut entwertet wurden. Dem schob Google teilweise einen Riegel vor, indem der PageRank/Linkjuice sich nun angeblich auch auf nofollow Links verteilt, dann aber natürlich nicht auf die verlinkte Seite übergeht. Somit schießt man sich mit dieser Praxis selbst ins Bein (eine alternative Möglichkeit wäre eventuell, stattdessen unwichtige Links mit Javascript zu maskieren).

Nun wurden in dem Experiment also von 15 sehr relevanten Seiten auf moz.com kontextuale Backlinks auf einen Post gesetzt und die Veränderungen des Rankings 3 Wochen lang untersucht. Die so neu verlinkte Seite fiel um 2 Plätze ab. Einerseits erinnert mich dies an das Experiment von Bill Sebald zu internen Links (er konnte auch keinen Einfluss von neuen internen Backlinks auf das Ranking der verlinkten Seite feststellen), andererseits möchte ich auf folgenden Post verweisen:
Hier geht es darum, dass neue Links erst einmal nicht so viel Link Juice vererben (zumindest wenn ein alter Artikel mit neuen Links bestückt wird). Das könnte bedeuten, dass die neugesetzten internen Links in den alten Posts erst einmal relativ wertlos sind. Somit würde sich erklären, warum es keine positiven Rankingänderungen gab.

Bild einer theoretischen internen VerlinkungDer Versuchsaufbau wäre somit nicht zielführend. Er müsste zumindest über einen viel längeren Zeitraum durchgeführt werden, bis die neuen Links gealtert sind und somit stärker vom Rankingalgorithmus berücksichtigt werden. Wie lange dies dauern könnte, ist natürlich bisher nicht bekannt.

Derzeit wird das Experiment wiederholt. Sollte wieder keine positiven Auswirkungen feststellbar sein, dann könnte man sich fragen, ob die interne Verlinkung entweder inzwischen deutlich an Gewichtung verloren hat oder ob wirklich das Linkalter eine viel größere Rolle spielt, als bisher gedacht.

Auswirkung von Ankertexten auf Google Suggest?

Welche Faktoren die Vorschläge von Googles Suggest beeinflussen, ist eine spannende Frage. Auf jeden Fall sind Usersignale ein wichtiger Teil, wie am Fall von Bettina Wulf zu sehen war.

Rand stellt die Beobachtung in den Raum, dass eventuell auch Ankertexte für die vorgeschlagenen Phrasen herangezogen werden. Er macht dies fest an 2 Beispielen, einmal an einem Reiseblog, den er häufig mit einer vorgeschlagenen Phrase in seiner Autorenbox verlinkt. Und dann noch mit einer Forschungspublikation, deren wenige Backlinks immer den vollen Titel als Ankertext beinhalten.
Beeinlussen Ankerteste Google Suggest?

Ich finde die beiden Beispiele schlecht gewählt, da ich selbst schon mit dem vollen Titel nach wissenschaftlichen Veröffentlichungen gesucht habe. Wenn dies viele User machen, dann hat die Suchmaschine wieder ein Usersignal zum Auswerten – die Verlinkungen wären dann nicht die Ursache für die Suggest Auswahlmöglichkeiten.

Das Beispiel mit dem Reiseblog ist auch so eine Sache. Viele Suchenden geben heute statt einer URL oben im Browser lieber eine URL-ähnliche Phrase in Google ein und klicken dann auf das Suchergebnis. Die Suche nach einer schon bekannten Webseite wird als navigationale Suche bezeichnet und ist ein häufiger Vorgang. Gerade wenn man sich nicht mehr sicher ist, ob die URL Bindestriche enthält oder welche Domainendung sie hatte (.net oder .com oder .info …), hilft so eine Suche ungemein weiter. Auch hier wäre dann wieder ein Usersignal die Ursache für den Vorschlag in Suggest und nicht zwingend die Verlinkungen aus Rands Autorenbox. Ich würde mir noch mehrere eindeutige Hinweise wünschen. Aber bei Interesse kann jeder selber dazu noch weitere Nachforschungen anstellen.

Trotzdem ist das Thema Ankertexte interessant, wie der nächste Versuchspunkt zeigt.

Vergleich von harten und weichen Ankertexten

Exakte Anktertexte sind nach wie vor wichtig und stark. Das zeigen 3 unabhängige Experimente, bei denen jeweils von den gleichen 20 Seiten auf zwei unterschiedliche Artikel verlinkt wurde (beide Artikel rankten aber für die gleiche Abfrage). Zur einen Seite wurden jeweils Links mit exaktem Keyword-Suchphrasen-Ankertext gesetzt, zur anderen Webseite nur Links mit Ankertext, der keine Keywords enthielt.

In allen 3 Fällen stieg die Seite, die die Links mit exakten Keyword-Ankertexten erhielt, deutlich stärker als die Vergleichsseite, die irgendwelche anderen Ankertexte erhielt.

Obwohl vor harten Ankertexten von externen Backlinks inzwischen gewarnt wird, zeigt dieser Versuch deutlich, dass hier noch nicht das letzte Wort gesprochen ist.

Ein anderer Punkt ist übrigens, dass Ankertexte auch teilweise für die automatische Erstellung des Titles in Googles SERPs herangezogen werden, wie dieses Video zeigt. Es lohnt also, sich mit dem Thema doch noch auseinanderzusetzen und nicht alle externen Backlinks mit weichen Ankertexten zu verwässern.

Google+ und SEO

Sind Google+ Shares ein Rankingfaktor? Eric Enge hatte dazu schon ein Experiment durchgeführt, bei dem er keinen Zusammenhang sah. Auch Rand kommt zu dem Schluss, dass Google+ Shares keine positive Auswirkung auf das Ranking haben.

Das ist deswegen interessant, weil alle Korrelations-Studien immer eine hohe Korrelation von sozialen Signalen mit hohen Rankings aufzeigen. Daher hat sich ein wenig die Meinung durchgesetzt, dass Social Media sehr wichtig wäre für die Suchmaschinenoptimierung. Zweifelsohne ist es das auch im Bereich des Content Marketing. Aber das Ranking in Suchmaschinen scheint sich darüber nur indirekt beeinflussen zu lassen (wer auf sozialen Plattformen viel geteilt wird, wird vielleicht eher von Bloggern gesehen, die dann einen echten Backlink von ihrem Blog aus setzen).

Natürlich ist auch hier die Frage, wie lange man eine mögliche Auswirkung beobachtet. Ich glaube in diesem Fall waren es nur einige Tage. Das könnte deutlich zu kurz sein, um Langzeiteffekte zu beobachten.

Des Weiteren steht die Frage im Raum, ob solche sozialen Signale eventuell als „tie-breaker Signale“ wirken, die erst dann zum Tragen kommen, wenn auch andere Signale (z.B. eine bestimmte Anzahl an Backlinks) vorliegen. Diese Frage kann mit dem vorliegenden Versuchsaufbau nicht beantwortet werden.

Nofollow-Links und ihre Wirkung

Dass nofollow Backlinks zu einem guten Linkprofil dazugehören, das zweifelt wohl kein SEO an. Aber wenn die Behauptung aufkommt, dass diese Links auch zum Ranking beitragen, da würde vielleicht nicht jeder sofort zustimmen.

Aber genau das scheint der Fall zu sein. Zumindest fand Rand dies in einem Experiment, wo er die Teilnehmer dazu aufrief, kontextuale nofollow Links zu setzen.

Und genau das ist vermutlich der springende Punkt. Es handelte sich nicht um Links aus dem Footer, aus Kommentaren oder Sidebars, sondern um kontextuale Links aus dem Inhaltsbereich der Seiten. Dass Google solchen Links eine gewisse Wertigkeit zuschreibt, auch wenn sie mit dem nofollow-Attribut versehen sind, ist durchaus denkbar.

Auch hier werden wohl noch mehrere Experimente folgen müssen.

Gibt es Link Geister?

Eine interessante Beobachtung ist, dass Webseiten auch ihre einmal erworbene Position halten, wenn viele Backlinks schon längst wieder abgebaut sind. Dieses Phänomen, dass Links auch scheinbar dann noch eine Wirkung haben, wenn sie gar nicht mehr vorhanden sind, bezeichnet Rand als „Link Ghosts“ (also zu Deutsch als „Link Geister“).

Ob wirklich die abgebauten Links noch nachwirken, oder ob die inzwischen gut gerankten Webseiten vielleicht andere wichtige Kriterien erfüllen (z.B. gute Usersignale aufweisen), müsste im Einzelnen noch einmal überprüft werden.

Die Frage ist auch, was man mit solch einer Erkenntnis anfangen würde. Solch ein Phänomen würde Spammern das Leben erleichtern, die dann auf guten Webseiten über Black Hat Methoden für kurze Zeit Links einfügen könnten. Auch wenn die Spammer/Hacker wüssten, dass der Webmaster den unlauteren Link nach einigen Tagen entdeckt und entfernt, könnten sie den Link schnell indexieren und dann auch nach einer Entfernung noch von dem Linkjuice profitieren!?

Beobachtungen ohne wiederholte Experimente

Autorenbilder und CTR von Adwords Anzeigen

Interessant ist auch die Frage, ob die weggefallenen Autorenbilder in den Suchergebnissen wirklich zu höheren Klickraten auf Adwords-Anzeigen führen. Das ist ja der Vorwurf, warum Google die Bilder wieder entfernt haben soll (offiziell ist die Aussage, dass die Bilder die Suchergebnisse unübersichtlicher gemacht hätten).

Die wenigen untersuchten Keywords samt Änderung ihrer CTR lassen keine eindeutige Aussage zu, ob tatsächlich die Klickrate steigt, obwohl für ein Keyword sogar ein Zuwachs von 23% nach Entfernung der Autorenbilder zu sehen ist.

Twitter und das Posten vieler Bilder

Führt das Posten vieler Fotos in kurzer Zeit (ein Tag) bei Twitter zu Irritation der Follower? Rand gibt an, noch nie so viele Follower verloren zu haben, wie an dem Tag, als er 10 Fotos getweeted hat. Also lieber keine ganze Sammlung an Urlaubsbildern auf einmal teilen…

Mad Science Experiments in SEO & Social Media from Rand Fishkin

Mehr SEO Experimente

Google+ Gruppe zum Thema SEO ExperimenteFür alle, die sich intensiver mit SEO Experimenten auseinandersetzen wollen, habe ich eine neue Gruppe auf Google+ gegründet. Hier kann sich jeder beteiligen mit Planung von Experimenten, mit der Diskussion um vergangene Experimente und mit Vorschlägen, was vielleicht einmal untersucht werden sollte.

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Thomas Merkel unterstützt kleine Unternehmen und Selbstständige im Bereich Online Marketing. Er steht ein für eine ganzheitliche Betrachtung, bei der Design, Psychologie und Analytik eng verzahnt zusammenarbeiten: der clevere Webdesign Prozess.
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