Bar bezahlen bei Einkäufen im Internet

, zuletzt aktualisiert: 20. Januar 2014

Gerade eben ist erst eine neue Studie zu Bezahlmethoden im Internet herausgekommen, da gibt es schon wieder Neuigkeiten auf dem Gebiet. Der Anbieter Barzahlen bietet nun auch bei Bestellung im Internet eine Zahlung über Bargeld an. Wie funktioniert das Verfahren und für wen eignet es sich?

So funktioniert das Verfahren

Ein Kunde kauft in einem Online-Shop, der mit Barzahlen kooperiert und wählt als Zahlungsart, dass er bar bezahlen will. Er bekommt mit der Bestellbestätigung eine Quittung, die er ausdrucken kann – wahlweise kann der Code auch per SMS auf das Handy empfangen werden. Mit diesem Code geht der Käufer zu einem teilnehmenden Ladenlokal vor Ort – derzeit nehmen vor allem 1390 DM-Drogeriemärkte teil – und bezahlt die Internetbestellung dort an der Kasse.

Der Online-Händler erhält dann eine Zahlungsbestätigung und sendet die Bestellung wie gewohnt per Post zum Haus des Käufers.

Mögliche Vorteile der neuen Zahlungsart

Vorteile für die Verkäufer

Nach Aussagen des Anbieters nutzen 50% der Deutschen kein Online Banking und 67% besitzen keine Kreditkarte. Diese Käufergruppen können durch das Zahlungsverfahren leichter erschlossen werden. Gerade, wenn keine Zahlung über Rechnung angeboten werden soll.

Da auf der Webseite des Zahlungsdienstes die teilnehmenden Webshops verlinkt sind, könnten auf diesem Weg Neukunden gewonnen werden. Als SEO fällt mir natürlich auf, dass es sich um einen dofollow Link handelt (dies macht auch Sinn, weil die Webseite barzahlen.de dadurch keine Nachteile, die teilnehmenden Händler aber eher einen Vorteil dadurch haben). Dofollow-Backlinks können für das Ranking der Händler-Webseite von Nutzen sein. Die verlinkende Seite hat derzeit allerdings noch einen Pagerank von 0, was den Nutzen des Links schmälert. Ob die Suchmaschinen die an eine Linkfarm erinnernde Auflistung der Links als vorteilhaft ansehen, bezweifle ich zudem. Nur für SEO Zwecke lohnt sich die Teilnahme an dem Verfahren also derzeit nicht.

Im Gegensatz zum Kauf auf Rechnung muss bei diesem Verfahren erst das Geld bezahlt werden, dann wird die Ware verschickt. Der Verkäufer hat also kein Risiko des Zahlungsausfalls.

Mögliche Vorteile für den Kunden

Der Kunde muss nicht seine sensiblen Konto- oder Kreditkartendaten herausgeben.

Mögliche Nachteile des Verfahrens

Nachteile für den Verkäufer

Der Verkäufer sollte die Ware nach Bestellung für den Versand bereithalten. Tut er dies nicht, sondern verkauft den vielleicht letzten Posten an jemanden, der über ein anderes Verfahren zahlt, dann verzögert sich die Auslieferungszeit für den Barzbezahler gegebenenfalls immens. Wenn das Shopsystem einen Artikel bei der Bestellung als lieferbar angezeigt hat, wäre es ja auch nicht wirklich erklärbar, dem Kunden später mitteilen zu müssen, dass in der Zwischenzeit ein anderer Kunde mit dem Artikel beliefert wurde und er womöglich erst wieder in einigen Wochen verfügbar ist.

Auch wenn der Händler die Zeit, innerhalb derer eine Bestellung bar bezahlt werden muss, selbst bestimmen kann, sind 7-14 Tage realistisch. Diese Frist ist auch bei Rechnungskauf oft angegeben und wird auch von Barzahlen auf der Webseite genannt. Für den Händler bedeutet dies, dass er bei vielen Bestellungen mit dieser Zahlungsart eventuell zusätzlichen Lagerraum braucht. Für mich klingt das nach einer Verkomplizierung.

Zudem wird auch bei dieser Zahlungsart (ähnlich wie bei Paypal) dem Verkäufer eine kleine Provision in Rechnung gestellt.

Nachteile für den Kunden

Ein Vorteil beim Online Einkauf besteht eigentlich darin, dass der Käufer die Wohnung nicht verlassen muss. Die Ware kommt in den nächsten Tagen per Post fast wie von allein ins Haus. Umgekehrt kann der Kunde beim Einkauf im Ladenlokal vor Ort die Ware im besten Fall sofort mitnehmen, muss dafür aber das Haus verlassen.

Will der Kunde bar zahlen, muss er nun das Haus verlassen, bekommt aber die Ware trotzdem erst Tage später geliefert. Nichts für gemütliche oder besonders ungeduldige Gemüter.

Zudem muss der Zahlungscode ausgedruckt werden, nicht jeder hat zu Hause einen Drucker. Wird der Code über SMS empfangen, so muss die sensible Handynummer preisgegeben werden. Der Datenschutz ist dann wieder nicht gewährleistet.

Gibt es Erklärungsprobleme?

Aus einigen Kommentaren zu dem Verfahren habe ich herausgelesen, dass es scheinbar ein Verständnisproblem gibt. Denn ein Mitnehmen des Pakets nach der Barzahlung in der Filiale vor Ort ist nicht möglich – erst nach der Bezahlung wird die Ware vom Online Shop losgeschickt. Dann aber direkt zum Käufer nach Hause. Dies hat für den Händler den Vorteil, dass er nicht auf unbezahlten Rechnungen sitzenbleibt. Aber da dies gleichzeitig eine Art Vorauskasse darstellt ist die Frage, wer bei verlorenen Sendungen für den Schaden aufkommt.

Kein Zahlungsverfahren für Ausprobierer und Unentschlossene

Angenommen, ich möchte die Ware gern zurücksenden. Als erstes muss ich die Ware wie gewohnt auf den Retourenweg schicken.

Wenn die Sendung beim Händler angekommen ist, bekomme ich per Email einen Auszahlunsschein, den ich wieder ausdrucken muss und mir dann in einer Filiale vor Ort auszahlen lassen kann. Dies bedeuetet wieder einen Weg mehr. Dieser Umstand könnte die Retourenquote senken – gut für die Händler, schlecht für den so zahlenden Kunden.

Alternativ kann dem Anbieter Barzahlen auch eine Kontoadresse genannt werden, wohin der Betrag überwiesen wird. Aber wenn ich meine Daten ungern herausgebe, werde ich dann diese Möglichkeit nutzen?

Auch frage ich mich, wer in diesem Fall für die Mehrkosten aufkommt. Der Händler, die annehmende Filiale vor Ort (die auf jeden Fall eine Mehrbelastung/Auslastung der Mitarbeiter hätte) oder der Anbieter Barzahlen.de?

Die Zukunft des Verfahrens

Derzeit werden auf der Webseite des Anbieters um die 75 Online-Shops genannt, die diese Zahlungsart schon anbieten. Wenn sich das Verfahren durchsetzen soll, dann müssen hier natürlich noch deutlich mehr Shops dazukommen, damit die Bekanntheit und Akzeptanz steigt.

Ich nehme an, dass besonders ältere Menschen, die sich mit neueren Verfahren wie Paypal nicht gut auskennen, den Dienst in Anspruch nehmen werden. Auch für Onlineshops, denen man nicht vertraut und nicht zu viele eigene Daten anvertrauen möchte, mag es eine Alternative darstellen. Ich bin sehr gespannt, wie der Dienst in Zukunft akzeptiert wird. Bisher ist der Service nur in Deutschland verfügbar – Shops, die viele ausländische Kunden haben, dürften daher nicht stark von dem Service profitieren.

Für Händler dürfte sich das Verfahren derzeit nur lohnen, wenn die eigene Zielgruppe älter bzw wenig technikaffin ist (also kein Paypal nutzt), man aufgrund der angebotenen Zahlungsverfahren eine hohe Abbruchquote hat und aus Sicherheitsgründen (schlechte Zahlungsmoral) keinen Kauf auf Rechnung anbieten möchte.

Bisher keine Kommentare, sei der Erste und schreibe eine Antwort

Kommentieren


Die Kommentare werden moderiert !

Blog
Über den Autoren
Autorenfoto
Thomas Merkel unterstützt kleine Unternehmen und Selbstständige im Bereich Online Marketing. Er steht ein für eine ganzheitliche Betrachtung, bei der Design, Psychologie und Analytik eng verzahnt zusammenarbeiten: der clevere Webdesign Prozess.
  • Letzte Beiträge

  • Kategorien