Schlechte Nachbarschaft (bad neighbourhood) im Internet

, zuletzt aktualisiert: 13. August 2014

Spricht man im Internet von bad neigbourhood (Englisch für „schlechte Nachbarschaft“) so sind Verbindungen von Ihrer Website zu Seiten gemeint, die geächtete Maßnahmen im Bereich der Suchmaschinenoptimierung betreiben (Gray hat oder black hat SEO). Aber wie können Sie in deren Nachbarschaft gelangen, was sind Konsequenzen und wie vermeidet oder beseitigt man sie?

Die 3 Möglichkeiten von Nachbarschaft im Internet

1. Verlinkung hin zu einer schlechten Seite

Jeder Link, den Sie setzen, ist eine Art Empfehlung für eine Seite und rückt Sie – ob Sie es wollen oder nicht – in die Nähe der entsprechenden Seite (eine gewisse Abhilfe ist hier sicher die Verwendung des rel=nofollow Attributs). Setzen Sie einen Link zu einer spammigen Seite, die vielleicht sogar schon abgestraft wurde, dann wirft das natürlich auch ein schlechtes Licht auf Sie.

2. Backlinks von einer fragwürdigen Seite

Werden Sie von einer spam-Seite verlinkt, dann geraten Sie natürlich auch dadurch in deren Nachbarschaft – dies ist der gegenteilige Fall von Punkt 1. Wie kann es dazu kommen? Der einfachste Fall könnte sein, dass Sie in einem schlechten Weblog einen Kommentar verfassen und dort auch Ihre Webseite angeben (weil Sie nicht bemerkt haben, dass der Blog schlecht ist). Eine weitere Möglichkeit ist, dass Sie mit einer SEO-Agentur zusammenarbeiten, die einfach massenhaft Backlinks aufbaut (davon rate ich entschieden ab!) und dabei nicht einmal gewisse Qualitätssicherung betreibt. In der heutigen Zeit kommt als dritte Quelle noch negative SEO hinzu – ein Mitbewerber versucht Ihnen zu schaden, indem er massenhaft Backlinks von schlechten Seiten auf Ihre Webseite aufbaut.

3. Webhosting auf dem selben Webspace

Wenn Ihre Webseite auf einem Server gehostet ist, auf dem noch viele Spamseiten liegen, könnte von den Suchmaschinen theoretisch eine IP-Sperre über den Server verhängt werden, die dann alle gehosteten Seiten betrifft. Es besteht also eine Hosting-Nachbarschaft zwischen Webseiten. Dieser Punkt dürfte in den seltensten Fällen für Abstrafungen verantwortlich sein – trotzdem kann es interessant sein, einfach mal zu schauen, wer so alles unter der gleichen IP im Netz erreichbar ist.

Konsequenzen einer fragwürdigen Umgebung

Die Möglichkeiten sind vielfältig: Angefangen von kleineren Rankingverlusten über Abstufung des Page Ranks bis hin zu völliger Entfernung aus dem Index ist alles denkbar.

Bad neighbourhood verhindern oder beenden

Aufgrund der oben genannten Möglichkeiten, wie das Problem enstehen kann, sind die Lösungsmöglichkeiten recht klar und eindeutig:

1. Keine fragwürdigen Seiten verlinken

Eine Webseite, die irgendwie seltsam erscheint, zum Beispiel, weil Sie Keywordstuffing betreibt (vielfache Wiederholung eines Begriffes und seiner Synonyme direkt hintereinander oder auf sehr engem Raum im Text, teilweise auch im Footer einer Webseite) sollten Sie besser nicht verlinken. Auch anderweitig durch zu starke Optimierung oder Link Spamming auffallende Domains sollten gemieden werden. Anfragen für Linktausch sollten Sie besser ablehnen, zumal der reziproke (gegenseitige) Austausch von Links durch die wichtigen Suchmaschinen erkannt und entsprechend abgewertet wird. Im Fall von negativer Berichterstattung über Seiten, würde ich keinen aktiven Backlink setzen. Nicht einmal als nofollow – denn jeder Link macht die betreffende Seite ein Stückchen bekannter und in den Augen der Suchmaschinen etwas wichtiger.

Für all diejenigen, die sich nicht sicher sind, ob Sie bereits Links zu fragwürdigen Seiten gesetzt haben, gibt es ein Text Link Checker Tool zur Überprüfung. Was macht es? Es untersucht alle verlinkten Seiten ihrerseits auf Linktexte – und schlägt an für typische Phrasen der Erwachsenenindustrie oder der Pharmaindustrie. Das ist natürlich zu wenig, auch wenn diese beiden Branchen historisch gesehen vielleicht wirklich die größten Spamschleudern sind (wer hat nicht schon Spammails im Postfach gehabt, die Werbung für Blaue Pillen machen?). Aber unlautere Taktiken beschränken sich eben einerseits nicht auf die Verlinkung und zweitens nicht auf diese beiden Industriezweige. Wer es trotzdem einmal ausprobieren möchte, klickt auf den folgenden Link: Bad neighbourhood testing tool . In meinem kurzen Praxistest einer schlechten Seite schlug das Programm bei 2 von 40 gestesteten Links an, wobei ich dies ohne nähere Untersuchung als durchgefallen werte. Leider setzt das Tool scheinbar erst eine Ebene unter der eingegebenen Webseite an, denn sonst hätte es sofort mehr Links melden müssen. Trotzdem ist dies Tool vielleicht gerade für Menschen ohne tiefere Kenntnisse eine erste Möglichkeit, um ein Abrutschen in die bad neighbourhood zu verhindern.

2. Spam Backlinks entdecken und entfernen

Die für den durchschnittlichen Webmaster (ohne tiefere SEO Kenntnisse) leichteste Möglichkeit, viele eigene Backlinks herauszufinden, sind die Google Webmaster Tools (WMT). Ich empfehle allen Webseitenbetreibern die Anmeldung der eigenen Seite in den WMT. Eine Anleitung werde ich demnächst erstellen.

Wenn Sie nun schlechte Links entdecken, ist der erste Schritt, selber zu versuchen, den Link zu entfernen. In Webkatalogen und Social Bookmarking Portalen ist es teilweise möglich, sich einzuloggen und dann Einträge selbst zu entfernen. Ist dies nicht möglich, können Sie den Webmaster kontaktieren und um eine Entfernung bitten.

Was sind schlechte Backlinks?

Eine Definition für schlechte Links ist wohl gar nicht so einfach, eine erste Richtlinie ist dazu: vertrauen Sie Ihrem Bauchgefühl. Wenn Sie von einer Webseite nicht verlinkt werden wollen, weil Sie sich damit nicht wohl fühlen, dann entfernen Sie den Link besser. Für die in SEO etwas Erfahreneren würde ich empfehlen, das eigene Backlink-Profils zu analysieren. Ein Schritt daraufhin könnte die Entfernung einiger nofollow Links von Seiten mit niedrigem Pagerank sein, die viele ausgehende Links enthalten. Gerade Links auf Seiten mit sehr vielen ausgehenden Links („Linkfarmen“) sollten eher entfernt werden. Dies kann z.B. bei unmoderierten Blogs passieren. Dort könnte man zwar schnell einen Backlink abstauben, aber nach solchen Möglichkeiten suchen natürlich noch viele andere tausende Webmaster. Wenn dann mehrere Links für günstige Pillen und andere unseriöse Angebote von dem Blog aus verlinkt werden, ist ein Backlink von dort eher potentiell schädlich.

Der letzte Rettungsanker ist das Google Disavow Tool. Es ist auch zu finden in den Google Webmaster Tools und ist dazu da, um Spamlinks, die man nicht durch Kontaktaufnahme mit einem anderen Webmaster oder durch eigenes Löschen entfernen konnte, abzuwerten. Negative Auswirkungen würden dann aufgehoben. Ich denke, dazu werde ich demnächst noch einmal einen eigenen Post verfassen. Denn wie Matt Cutts im folgenden Video erklärt, sollte man dieses Tool nicht leichtfertig benutzen:

3. Die Hosting-Nachbarn herausfinden

Gerade eben habe ich zum Ersten mal nachgeschaut, welche anderen Websites auf dem Webspace meines Hosting-Anbieters liegen. Dies geht über einen sogenannten Reverse IP Lookup. Dabei wird die eigene URL in eine IP aufgelöst und dann geschaut, welche weiteren Webseiten die selbe Server-IP aufweisen.
Verschiedene Webseiten bieten diesen Dienst an, ich habe gerade gute Erfahrungen gemacht mit diesem Dienst für reversen IP Lookup.

Dabei habe ich z.B. erfahren, dass neben meiner Webseite c.a. noch 190 andere Webseiten auf dem gleichen Server gehostet werden. Das ist auch nicht groß verwunderlich, weil ich derzeit keinen Business Tarif nutze. Trotzdem fand ich es interessant, dass z.B. mindestens 3 pharma-nahe Webseiten in meiner Nachbarschaft gehostet werden, die zum Glück aber auf den ersten Blick seriös wirken.

Achtung: Es werden nicht für jede abgefragte URL tatsächlich alle Ergebnisse angezeigt. Für die Abfrage meiner URL ergab z.B. 187 Treffer, die Abfrage für eine Nachbar-URL ergab dann 192 Treffer.

Wie erkenne ich, ob die Nachbarschaft sauber ist? Eine wirklich schnelle Lösung kenne ich nicht. Ich habe die Domain-Namen überflogen und eben bei den verdächtig nach Pharma klingenen Domains genauer nachgeschaut. Man könnte natürlich auch die Backlinkprofile studieren, schauen ob die Webseiten im Index von Google gelistet sind und einiges mehr. Das wäre aber wohl verschwendete Zeit. Wie oben schon angeklungen ist, würde ich zu solchen Maßnahmen nur greifen, wenn die eigene Seite abgestraft wurde und dafür kein anderer Grund gefunden werden kann. Mir ist bisher kein Fall bekannt, wo durch IP-Sperre des Servers tatsächlich unschuldige Seiten mit abgestraft wurden.

Keine Chance für die bad neighbourhood

Wenn Sie die obigen Tipps beherzigen, sollte schlechte Nachbarschaft für Ihre Webseite keine Gefahr darstellen. Der häufigste Fall dürfte selbstverschuldet sein durch Spamtechniken im Backlinkaufbau, weshalb ich hier für saubere, ehrliche Arbeit plädiere.

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Thomas Merkel unterstützt kleine Unternehmen und Selbstständige im Bereich Online Marketing. Er steht ein für eine ganzheitliche Betrachtung, bei der Design, Psychologie und Analytik eng verzahnt zusammenarbeiten: der clevere Webdesign Prozess.
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